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1732

1732

Ereignisse


- Der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. läßt in Potsdam am Langen Stall einen Gebetssaal für zwanzig türkische Gardesoldaten errichten: die erste Moschee auf deutschem Boden
- Die Oper Ezio von Georg Friedrich Händel wird am 15. Januar im King's Theatre am Londoner Haymarket uraufgeführt

Kultur


- 9. November: Uraufführung der Oper Adriano in Siria von Antonio Caldara am Hoftheater in Wien

Geboren


- 2. Januar: Frantisek Xaver Brixi, tschechischer Komponist, Organist und Kapellmeister († 1772)
- 17. Januar Stanisław August Poniatowski, letzter polnischer König († 1798)
- 21. Januar: Friedrich Eugen, Herzog von Württemberg († 1797)
- 23. Januar: Friedrich Wilhelm Utsch, Erbförster des Mainzer Kurfürsten (der im Volkslied besungene „Jäger aus Kurpfalz“)
- 24. Januar: Pierre Augustin Caron de Beaumarchais, französischer Dramatiker († 1799)
- 18. Februar: Johann Christian Kittel, deutscher Komponist und Organist († 1809)
- 22. Februar: George Washington, US-amerikanischer Präsident († 1799)
- 12. März: Joseph Gärtner, deutscher Botaniker († 1791)
- 31. März: Joseph Haydn, österreichischer Komponist († 1809)
- 13. April: Lord North, Premierminister von Großbritannien († 1792)
- 17. April: Jean-Honoré Fragonard, französischer Maker († 1806)
- 19. Mai: Johann Christoph von Wöllner, preussischer Staatsmann († 1800)
- 21. Juni: Johann Christoph Friedrich Bach, deutscher Komponist († 1795)
- 4. Juli: Clemens August von Merle, Weihbischof in Köln († 1810)
- 8. August: Johann Christoph Adelung, deutscher Bibliothekar († 1806)
- 30. September: Jacques Necker, schweizerischer Bankier und Finanzminister († 1804)
- 6. Dezember: Warren Hastings, britischer Politiker († 1818)
- 15. Dezember: Carl Gotthard Langhans, preußischer Baumeister und Architekt († 1808)
- 23. Dezember: Richard Arkwright, britischer Industrieller und Erfinder († 1792)

Gestorben


- 18. Februar: Balthasar Permoser, Bildhauer (
- 1651)
- 3. März: Franz Atterbury, war englischer Bischof von Rochester (
- 1663)
- 25. März: Lucia Filippini, Gründerin der Schwesternkongregation Maestre Pie Filippini (
- 1672)
- 4. April: Johann Jacob Schoy, österreichischer Bildhauer (
- 1686)
- 6. April: Franz Ludwig von Pfalz-Neuburg, Erzbischof des Bistums Trier und des Bistums Mainz (
- 1664)
- 24. April: Johann Michael Ludwig Rohrer, Baumeister (
- 1683)
- 16. Juli: Woodes Rogers, Freibeuter, Gouverneur der Bahamas und Vorlage für 'Robinson Crusoe' (
- 1679)
- 24. September: Reigen (Kaiser), 112. Kaiser von Japan (
- 1654)
- 6. Oktober: Christian Vater, Mediziner (
- 1651)
- 31. Oktober: Karl Emanuel II., König von Sardinien (
- 1666)
- 31. Oktober: Vittorio Amadeo II., König von Sizilien (
- 1666)
- 4. Dezember: John Gay, englischer Schriftsteller (
- 1685) ko:1732년

Kategorie:1732



Potsdam

Potsdam ist als Landeshauptstadt des Bundeslandes Brandenburg eine Kreisfreie Stadt, die in ihrem Nordosten unmittelbar an die Bundeshauptstadt Berlin angrenzt (Entfernung zur Berliner Innenstadt etwa 26 km). Potsdam gehört zur Europäischen Metropolregion Berlin/Brandenburg. Als einwohnerstärkste Stadt Brandenburgs ist sie eines der vier Oberzentren dieses Bundeslandes. Die Einwohnerzahl der Stadt Potsdam überschritt 1939 die Grenze von 100.000, wodurch sie zur Großstadt wurde. Exonyme für "Potsdam" gibt es in der polnischen Sprache mit "Poczdam", und in der tschechischen mit "Postupim".

Geografie

Exonym Potsdam liegt südwestlich von Berlin am Mittellauf der Havel, in einer eiszeitlich geprägten Wald-Seen-Landschaft, die durch den Wechsel von breiten Talniederungen und Moränenhügeln, wie dem die Stadt südlich flankierenden Saarmunder Endmoränenbogen charakterisiert ist. Die Havel fließt am Strandbad Babelsberg bei 29,4 m über Normalnull. Der Teltowkanal und die Nuthe münden im Stadtgebiet in die Havel. Nuthe Weitere Gewässer sind Griebnitzsee, Templiner See, Vorderkappe, Hinterkappe, Neustädter Havelbucht, Tiefer See, Jungfernsee, Lehnitzsee, Krampnitzsee, Weißer See, Sacrow-Paretzer-Kanal, Teltowkanal, Glienicker Laake, Heiliger See, Groß Glienicker See, Sacrower See, Fahrlander See, Wublitz, Großer Zernsee, Schlänitzsee, Schäfersee, Aradosee, Teufelssee und Hirtenteich. Die höchste Erhebung im Stadtgebiet ist der Kleine Ravensberg mit 114,2 m ü. NN. Die tiefste Stelle ist der mittlere Wasserspiegel der Havelgewässer mit 29 m NN. In der deutschen Kartografie und Geodäsie ist das Potsdam Datum der Zentralpunkt für das Bessel-Ellipsoid des Gauß-Krüger-Koordinatensystems.

Nachbargemeinden

Folgende Städte und Gemeinden grenzen an die Landeshauptstadt Potsdam. Sie werden nach dem Uhrzeigersinn beginnend im Nordosten benannt: Berlin sowie Kleinmachnow, Stahnsdorf, Nuthetal, Michendorf, Schwielowsee und Werder (Havel) (alle Landkreis Potsdam-Mittelmark) sowie Ketzin, Wustermark und Dallgow-Döberitz (alle Landkreis Havelland).

Stadtgliederung

Das Stadtgebiet Potsdams besteht nach § 3 der Hauptsatzung aus den Wohngebieten Potsdam, Babelsberg, Bornim, Bornstedt, Drewitz, Nedlitz und Sacrow, die sich ihrerseits teilweise weiter untergliedern, sowie aus neun Ortsteilen im Sinne von § 54 der Gemeindeordnung für Brandenburg. Dabei handelt es sich um ehemals selbständige Gemeinden, die zum Großteil erst am 26. Oktober 2003 in die Stadt Potsdam eingegliedert wurden und seither einen eigenen, von der Bevölkerung gewählten Ortsbeirat mit einem Ortsbürgermeister als Vorsitzenden haben. Die Ortsbeiräte haben je nach Einwohnerzahl des Ortsteil zwischen 3 und 9 Mitglieder. Sie sind zu wichtigen, den Ortsteil betreffenden Angelegenheiten zu hören.

Geschichte

Ortsbeirat

Entwicklung der Stadt Potsdam

Im 7. Jahrhundert errichtete der slawische Stamm der Heveller gegenüber der Einmündung der Nuthe eine Burganlage an der Havel. Die erste urkundliche Erwähnung erfolgte in einer Schenkungsurkunde von 993 ("Poztupimi").

Mittelalter

Mitte 12. Jh. wurde am Havelübergang, etwa 700 m von der slawischen Burg entfernt, eine deutsche Burg (steinerne Turmburg) erbaut, neben der sich eine kleine Dienstsiedlung entwickelte. Die slawische Burg blieb daneben als Siedlung erhalten. 1304 wurde Potsdam erstmals als Stedeken („Städtlein“) und 1317 als Burg und Städtlein erwähnt. 1345 erhielt Potsdam das Stadtrecht und blieb lange Zeit ein unbedeutender kleiner städtischer Marktflecken, für den noch 1573 nur 2000 Einwohner und 192 Häuser angegeben werden. Nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618 – 1648) lagen 1660 von den 198 Häusern 119 wüst und es waren nur noch 700 Menschen in der Stadt. Dreißigjährigen Krieg]

Neuzeit

Mit dem kurmärkischen Landtag 1653, auf dem der Kurfürst die Macht des Landadels einschränkte, begann die absolutistische Zeit in Brandenburg. Erst mit dem Ausbau des aus der Burg im 16. Jahrhundert entstandenen Stadtschlosses ab 1660 durch Kurfürst Friedrich Wilhelm von Brandenburg entstand ein Entwicklungsschub. Das Stadtschloss, zunächst als Jagdschloss ausgebaut, wurde später als Sommersitz der preußischen Königsfamilie genutzt. Die Stadt wurde ein wichtiger Garnisonsort des preußischen Heeres. Damit verbunden war auch die Ansiedlung verschiedener, für das Militär wichtiger Handwerker. Das führte zu einer starken Anwachsen der Einwohnerzahl (die Soldaten eingerechnet) und erforderte den Neubau neuer Wohnquartiere (Erste und Zweite Stadterweiterung). König Friedrich II. (der Große) ließ ab 1745 außerhalb der damaligen Stadt das Schloss Sanssouci auf einem künstlichem Weinberg mit großem Schlosspark und weiteren Bauten errichten. Im 19. Jahrhundert siedelten sich auch viele Regierungsbeamte in Potsdam an. Zu Beginn der Zeit des Nationalsozialismus fand am 21. März 1933 der "Tag von Potsdam" statt, ein Staatsakt in der Potsdamer Garnisonkirche, bei dem der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler die Hand drückte. Dies wurde als symbolische Geste für ein Bündnis von Militär (Reichswehr) und Nationalsozialismus verstanden. Das Stadtzentrum von Potsdam wurde in der letzten Phase des Zweiten Weltkrieges am 14. April 1945 durch einen alliierten Bombenangriff schwer beschädigt. Am 30. April 1945 wurde Potsdam durch die Rote Armee eingenommen. Im Schloss Cecilienhof, dem Wohnsitz des letzten deutschen Kronprinzen, fand vom 17. Juli bis 2. August 1945 die Potsdamer Konferenz der Siegermächte USA (Harry S. Truman), Großbritannien (zunächst Winston Churchill, später Clement Richard Attlee) und Sowjetunion (Stalin) statt, die mit dem Potsdamer Abkommen beendet wurde. In der DDR wurde Potsdam zum Sitz des Bezirkes Potsdam. Mit (Wieder-)Gründung des Landes Brandenburg wurde die Stadt dessen Hauptstadt. Es existieren seither verschiedene Initiativen zur Rekonstruktion einiger zerstörter Gebäude der Innenstadt, so beispielsweise der Garnisonkirche oder des Stadtschlosses.

Eingemeindungen

Das Stadtgebiet Potsdams war bis Ende des 19. Jahrhunderts recht klein. Durch das Anwachsen der Bebauung musste das Stadtgebiet mehrmals erweitert werden. Dies geschah in mehreren Abschnitten mit der Eingliederung von benachbarten Rittergütern beziehungsweise Teilen hiervon. Damit wuchs das Stadtgebiet von 893 ha im Jahre 1836 auf 1350 ha im Jahre 1905. 1928 wurde der Park von Sanssouci mit den Schlössern sowie ein großer Teil der Insel Tornow sowie 6 Gutsbezirke mit Brauhaus- und Telegraphenberg eingegliedert. Danach betrug das Stadtgebiet 3.206 ha. Ab 1935 wurden dann benachbarte Gemeinden, darunter die Industriestadt Babelsberg, zum Teil zwangsweise eingegliedert, bis das Stadtgebiet im Oktober 2003 seine heutige Ausdehnung erreichte. Im Einzelnen wurden eingemeindet:
- 1. April 1926 Gutsbezirke Plantagenhaus (teilweise), Potsdam-Gut und Tornow aus dem Kreis Zauch-Belzig
- 1. August 1935: Bornim, Bornstedt, Eiche ¹ und Nedlitz
- 1. April 1939: Babelsberg (Stadt unter diesem Namen seit 1938, vorher Nowawes, als Stadt gebildet ab 1924 aus Nowawes und Neuendorf sowie Gebietsteilen von Neubabelsberg und Klein-Glienicke), Golm ¹, Grube ¹, Schlänitzsee ¹, Nattwerder ¹, Fahrland ¹, Neu-Fahrland ¹, Sacrow, Geltow ¹, Wildpark-West ¹, Drewitz, Bergholz-Rehbrücke ¹ und Krampnitz ¹
- 11. Juni 1950: Wilhelmshorst ¹
- Frühjahr ? 1993: Eiche
- 5. Dezember 1993: Grube mit Schlänitzsee und Nattwerder
- 26. Oktober 2003: Fahrland mit Kartzow und Krampnitz, Golm, Groß Glienicke, Marquardt, Neu Fahrland, Satzkorn und Uetz-Paaren ¹ diese Orte wurden 1952 im Rahmen der Gebietsreform in der DDR noch einmal ausgegliedert, 1993 bzw. 2003 jedoch zum Großteil wieder eingegliedert

Einwohnerentwicklung

Es folgt eine Übersicht mit den Einwohnerzahlen nach dem jeweiligen Gebietsstand. Bis 1860 handelt es sich meist um Schätzungen, danach um Volkszählungsergebnisse (¹) oder amtliche Fortschreibungen der jeweiligen Statistischen Ämter beziehungsweise der Stadtverwaltung selbst. DDR

Religionen

Die Stadt Potsdam gehörte anfangs zur Propstei Spandau des Bistums Brandenburg. 1541 führte der Kurfürst von Brandenburg die Reformation ein. Danach teilte die Stadt die Geschicke des gesamten Landes Brandenburg und war über Jahrhunderte eine überwiegend protestantische Stadt. Vorherrschend war das lutherische Bekenntnis, doch gab es auch reformierte Gemeindeglieder. Seit 1730 war Potsdam Sitz einer eigenen "Inspektion", die für die Stadt und das Amt Potsdam zuständig war. Ab 1721 gab es neben der alten Potsdamer Pfarrkirche weitere neue Kirchen und Pfarrgemeinden. In jener Zeit kam es zu Streitigkeiten zwischen den Lutheranern und den Reformierten. Letztere hielten zunächst in der Schlosskirche ihre Gottesdienste ab, doch erhielten sie später die Garnisons- und Heiliggeistkirche gemeinsam mit den Lutheranern. Ab 1723 gab es auch eine Französisch-Reformierte Gemeinde, welche 1753 eine eigene Kirche erhielt. In der Neustadt entstand ab 1795 eine eigene Kirchengemeinde. 1817 wurden beide Konfessionen innerhalb Preußens zu einer einheitlichen Landeskirche (Unierte Kirche) vereinigt. Somit gehörten die protestantischen Gemeinden Potsdams zur "Evangelischen Kirche in Preußen" beziehungsweise deren Provinzialkirche Brandenburg, deren Oberhaupt der jeweilige König von Preußen als "summus episcopus" war. Doch gab es auch Gegner dieser Union. So entstand auch in Potsdam eine alt-lutherische Gemeinde, die 1902 eine eigene Kirche (vorher bestand nur ein Bethaus) baute. Nach Wegfall des Landesherrlichen Kirchenregiments 1918 war die Provinzialkirche Brandenburgs Gründungsmitglied der "Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union" und 1947 wurde sie eine selbständige Landeskirche (Evangelische Kirche in Berlin-Brandenburg) mit einem Bischof an der Spitze. 2004 fusionierte die Kirche mit der Evangelischen Kirche der schlesischen Oberlausitz zur Evangelischen Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Die protestantischen Kirchengemeinden Potsdams gehören - sofern es sich nicht um Freikirchen handelt - zum Kirchenkreis Potsdam innerhalb des Sprengels Neuruppin, dessen Sitz (Generalsuperintendentur) sich ebenfalls in Potsdam befindet. Neben den landeskirchlichen Gemeinden gibt es auch mehrere Freikirchen in Potsdam. So gab es unter anderem bereits sehr früh eine Herrnhuter Brüdergemeine. Da Potsdam Garnisonsstadt war, gab es auch katholische Soldaten in der Stadt, die ab 1722 in einer kleinen Fachwerkkirche ihre Gottesdienste abhielten. 1868 entstand am Bassinplatz eine katholische Kirche. Die katholischen Bistümer im Norden Deutschlands waren während der Reformation untergegangen, daher entwickelten sich erst im 18. Jahrhundert wieder katholische Kirchenstrukturen. So konnte zum Beispiel ab 1747 in Berlin die Kirche St. Hedwig (heute Bischofskirche des Erzbistums Berlin) erbaut und 1773 eingeweiht werden. Nach der Säkularisation 1803 konnte sich der Katholizismus weiter ausbreiten und 1821 wurde im gesamten Deutschen Bund die katholische Kirche neu organisiert. Der Papst errichtete 1821 die "Fürstbischöfliche Delegatur Berlin-Brandenburg-Pommern". An ihrer Spitze stand der Propst von Sankt Hedwig in Berlin als Breslauer Delegat (Erzbistum Breslau). Zu diesem Kirchengebilde gehörten auch die Katholiken Potsdams, bis am 13. August 1930 das Bistum Berlin als Suffraganbistum von Breslau errichtet wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Gebiet der Kirchenprovinz Breslau getrennt. Daher wurde das Bistum Berlin exemt, das heißt, es unterstand direkt dem Papst. Im Zuge der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten wurden auch die kirchlichen Strukturen den neuen Gegebenheiten angepasst. So wurde 1994 das Bistum Berlin zum Erzbistum erhoben. Ihm wurden die beiden Suffraganbistümer Dresden-Meißen und Görlitz zugeordnet. Die Pfarrgemeinden Potsdams gehören somit heute zum Dekanat Potsdam des Erzbistums Berlin. In Potsdam gibt es ebenfalls noch zwei jüdische Gemeinden. Eine gehört dem Zentralrat der Juden in Deutschland an. Sie wird von einem Rabbiner der Bewegung Chabad Lubawitsch betreut und hat heute ca. 350 Mitglieder. Die zweite Gemeinde ist vom Zentralrat völlig unabhängig und nennt sich: Gemeinde gesetzestreuer Juden. Ausserdem ist Potsdam Sitz des liberalen Abraham-Geiger-Kollegs. Dies ist bisher das einzige Rabbinerseminar in Deutschland. Etwa 80 % der Bevölkerung gehören keiner Religion an.

Politik

An der Spitze der Stadt stand seit 1345 ein "Consules" beziehungsweise ab 1450 ein Bürgermeister. Einen Rat ist ab 1465 nachweisbar. Im 16. und 17. Jahrhundert hatte der Rat 4 bis 5 Mitglieder, darunter der Bürgermeister. Später hatte der jeweilige Landesherr einen starken Einfluss auf die Stadtverwaltung. Ab 1722 gab es für die Altstadt und die Neustadt einen Magistrat. An der Spitze stand ein Stadtdirektor. 1809 wurde Potsdam eine kreisfreie Stadt mit einem Oberbürgermeister an der Spitze sowie mit einer Stadtverordnetenversammlung als gewähltem Gremium. In der Zeit des Dritten Reiches wurde der Oberbürgermeister von der Partei (NSDAP) eingesetzt und die Stadtverordnetenversammlung aufgelöst. Nach dem Zweiten Weltkrieg bildete die sowjetische Besatzungszone den "Rat der Stadt" mit einem Oberbürgermeister. Der Rat wurde vom Volk in einer Einheitsliste der Nationalen Front gewählt. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands wurde die Stadtverordnetenversammlung wieder frei gewählt. Sie ist das Hauptorgan der Stadtverwaltung, die zuletzt am 26. Oktober 2003 von den Potsdamer Bürgerinnen und Bürger für eine fünfjährige Amtszeit gewählt wurde (nächste Kommunalwahl 2008). Die Bezeichnung des Vorsitzenden war von 1990 bis 1999 "Stadtpräsident", seither Vorsitzender der Stadtverordnetenversammlung. Der wird ebenfalls direkt von den Bürgern gewählt. Bei den letzten Oberbürgermeister-Wahlen am 22. September 2002 konnte keiner der Kandidaten die absolute Mehrheit erringen. Daher musste durch eine Stichwahl am 27. Oktober 2002 zwischen Jann Jakobs (SPD) und Hans-Jürgen Scharfenberg (PDS) das neue Stadtoberhaupt ermittelt werden. Dabei konnte sich Jann Jakobs mit einer knappen Mehrheit von 50,1 Prozent durchsetzen. Oberbürgermeister seit 1809 Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung
- 1990 - 1993: Dr. Helmut Przybilski, Stadtpräsident
- 1994 - heute: Birgit Müller (PDS), Stadtpräsidentin, seit 1999 Vorsitzende der Stadtverordnetenversammlung

Wappen

Das Wappen der Stadt Potsdam zeigt in Gold einen nach links sehenden, schwarz bewehrten, golden gerauteten roten Adler. Der Wappenschild wird gekrönt von einer gewölbten, fünfzinnigen, roten Mauerkrone. Die Stadtflagge ist Rot-Weiß mit dem Wappen.

Städtepartnerschaften

Potsdam unterhält eine Städtepartnerschaft mit folgenden Städten:
- Opole/Oppeln (Polen), seit 1973
- Bobigny (Frankreich), seit 1974
- Jyväskylä (Finnland), seit 1985
- Bonn (Nordrhein-Westfalen), seit 1988
- Perugia (Italien), seit 1990
- Sioux Falls, Bundesstaat South Dakota (USA), seit 1990
- Luzern (Schweiz), seit 2002

Wirtschaft und Infrastruktur

Verkehr

Potsdam ist durch die Nähe zu Berlin äußerst gut an das Netz der Bundesautobahnen angeschlossen. Die Stadt wird im Westen und Süden vom so genannten Berliner Ring (A 10) und im Osten von der Autobahn A 115, die so genannte AVUS, die in die Innenstadt Berlins führt, umgeben. Folgende Bundesstraßen führen durch das Stadtgebiet: B 1, B 2 und B 273. Die bedeutende Landstraße L 40 erschließt das südliche Berliner Umland über Stahnsdorf, Teltow, Mahlow, Schönefeld nach Berlin (Treptow-Köpenick) und ist im Potsdamer Stadtgebiet als Nuthe-Schnellstraße (Kraftfahrstraße) bezeichnet. Diese Straße verbindet Potsdam mit den Bundesstraßen B 101, B 96 und B 179. Auch an das Eisenbahnnetz ist Potsdam gut angebunden. Von hier aus führen Bahnlinien in folgende Richtungen: Berlin, Flughafen Berlin-Schönefeld, Jüterbog, Dessau, Brandenburg an der Havel und Hennigsdorf. Es gibt folgende Bahnhöfe im Stadtgebiet:
- Bahnhof Potsdam-Babelsberg in Babelsberg (S-Bahn)
- Bahnhof Potsdam Charlottenhof in der Nähe des Schlosses Charlottenhof in der Brandenburger Vorstadt (Regionalbahn, Regionalexpress / ehemals Potsdam-West)
- Bahnhof Potsdam Park Sanssouci in der Nähe des Parks Sanssouci (Regionalbahn, Regionalexpress / ehemals Wildpark und Kaiserbahnhof), heute Führungsakademie der DB
- Bahnhof Griebnitzsee am Griebnitzsee (S-Bahn, Regionalbahn)
- Hauptbahnhof (S-Bahn, Regionalbahn) Regionalexpress, ICE / ehemals Potsdam-Stadt), hier zentrale Bushaltestelle, Straßenbahn.
- Bahnhof Potsdam Medienstadt Babelsberg (Regionalbahn, Regionalexpress / ehemals Potsdam-Drewitz)
- Bahnhof Potsdam Pirschheide (Regionalbahn / ehemaliger Hauptbahnhof; zum Teil stillgelegt)
- Golm
- Bornim-Grube (stillgelegt)
- Satzkorn (stillgelegt)
- Bahnhof Potsdam-Rehbrücke in Bergholz-Rehbrücke (Regionalbahn / liegt unmittelbar hinter der Stadtgrenze von Potsdam) mit Anschluß Straßenbahn zur Stadt Eisenbahnbetrieblich ist Potsdam jedoch kein eigenständiger Knotenpunkt, sondern seine Bahnanlagen gehören zum Eisenbahnkomplex Berlin, dessen "großer" Eisenbahnring (Berliner Außenring) Potsdam im Bereich des Bahnhofes Pirschheide durchschneidet; zu diesem Komplex gehört auch der südlich von Potsdam gelegene Rangierbahnhof Seddin (siehe auch: Landkreis Potsdam-Mittelmark). Den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) bedienen außer der S-Bahn Berlin verschiedene Straßenbahn- und Buslinien der ViP (Verkehrsbetriebe Potsdam) GmbH, wie unter Nahverkehr in Potsdam näher beschrieben. Die Havelbus Verkehrsgesellschaft mbH betreibt mit mehr als 200 Bussen die Linien von Potsdam in den Landkreis Potsdam-Mittelmark sowie den Landkreis Havelland, weiterhin die Linien in die 2003 eingemeindeten Stadtteile. Alle Linien sind zu einheitlichen Preisen innerhalb des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) zu benutzen. Die Stadt liegt an der deutsch-niederländischen Ferienstraße Oranier-Route.

Medien

In Potsdam erscheinen als Tageszeitung die Potsdamer Neuesten Nachrichten (PNN) und die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) mit Potsdamer Regionalteil. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg (RBB) hat einen Standort in Potsdam-Babelsberg. Ihm untergeordnet sind unter anderem die Radiosender Antenne Brandenburg, Fritz und Radio Eins, die ihren Sitz in Potsdam-Babelsberg haben. Außerdem existiert ein lokaler Fernsehsender namens PotsdamTV. Seit 1997 existiert auch das Szene-Magazin "EVENTS", wo alle Veranstaltungen des Monats und zahlreiche Gastronomie- und Locationtips enthalten sind.

Öffentliche Einrichtungen

Potsdam ist Sitz folgender Einrichtungen und Institutionen beziehungsweise Körperschaften des öffentlichen Rechts:

Bildung und Forschung

Potsdam ist Universitätsstadt. Die Universität Potsdam wurde 1991 als Universität des Landes Brandenburg gegründet. Vorgängereinrichtung war die 1948 gegründete Brandenburgische Landeshochschule, die Anfang der 1950er Jahre in die Pädagogische Hochschule "Karl Liebknecht", eine der größten der DDR, überführt wurde. Ferner gibt es die Hochschule für Film und Fernsehen "Konrad Wolf" (HFF Babelsberg), die 1954 als Deutsche Hochschule für Filmkunst gegründet wurde und seit 1985 ihren heutigen Namen trägt. Die Fachhochschule Potsdam ist hingegen eine junge Hochschule, die im Zuge der Umstrukturierung des ostdeutschen Hochschulsystems in Trägerschaft des Landes Brandenburg gegründet wurde. In ihr ging jedoch die vormalige Potsdamer Außenstelle der DDR-Fachhochschule für Werbung und Gestaltung Berlin auf. Am privaten Hasso-Plattner-Institut für Softwaresystemtechnik kann man einen Bachelor- oder Masterabschluss für Softwaresystemtechnik (bzw. neuerdings IT Systems Engineering) erwerben. Diese Abschlüsse werden ebenfalls von der Universität Potsdam verliehen. Folgende Forschungsinstitute sind in Potsdam ansässig:
- Fraunhofer-Institut für Angewandte Polymerforschung (IAP) sowie die
- Max-Planck-Institut für Kolloid- und Grenzflächenforschung,
- Max-Planck-Institut für molekulare Pflanzenphysiologie
- Geoforschungszentrum Potsdam (Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft)
- einige Abteilungen der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Theater


- Hans-Otto-Theater (im Bau, Fertigstellung September 2006)
- freie Theatergruppen

Museen und Gedenkstätten


- Potsdam-Museum
  - Naturkundemuseum (Breite Straße 13)
  - Museum für Stadtgeschichte (Benkertstraße 3)
  - Gedenkstätte zum 20. Juli 1944 (im brandenburg. Ministerium f. Stadtentwicklg., Wohnen u. Verkehr, Henning-von-Tresckow-Straße 2-8)
  - Gedenkstätte Lindenstraße 54 (ehemaliges Untersuchungsgefängnis der DDR-Staatssicherheit)
  - Ausstellung zur Geschichte der Glienicker Brücke (im Bundesvermögensamt, Berliner Straße 98-101)
- Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte (im Kutschstall am Neuen Markt)
- Jan-Bouman-Haus (zur Geschichte und Architektur des Holländischen Viertels, Mittelstraße 8)
- Museum Alexandrowka (zur Geschichte und Architektur der Russischen Kolonie, Russische Kolonie 2)
- Filmmuseum Potsdam (im Marstall am Lustgarten, Breite Straße 1A)
- Mühlenmuseum in der Historischen Mühle (Maulbeerallee 5)
- Berliner S-Bahn-Museum (im Umspannwerk Griebnitzsee, Rudolf-Breitscheid-Straße 203)
- Kindertagesstätten-Museum (im Ortsteil Groß Glienicke, Seeburger Chaussee 2)
- Gedenk- und Begegnungsstätte Ehemaliges KGB-Gefängnis Potsdam (Zur Geschichte des KGB im besetzten Nachkriegsdeutschland, Leistikowstr. 1)

Bauwerke und Parkanlagen

Historischen Mühle Historischen Mühle Historischen Mühle Historischen Mühle Historischen Mühle Historischen Mühle Historischen Mühle
- Park Sanssouci
  - Schloss Sanssouci (Wahrzeichen der Stadt)
  - Neue Kammern
  - Bildergalerie
  - Chinesisches Haus (Chinesisches Teehaus)
  - Friedenskirche
  - Neues Palais
  - Antikentempel
  - Freundschaftstempel
  - Römische Bäder
  - Schloss Charlottenhof
  - Orangerieschloss
  - Belvedere auf dem Klausberg
  - Drachenhaus auf dem Klausberg
  - Historische Mühle von Sanssouci
- Krongut Bornstedt
- Alexandrowka (ehemalige russische Kolonie)
  - russisch-orthodoxe Kirche Alexander Newski
- Belvedere auf dem Pfingstberg
  - Pomonatempel
- Altes Rathaus
- Fortunaportal
- Villa Ingenheim
- ehemaliges Großes Militärwaisenhaus
- Maschinenhaus mit Pumpwerk für den Park Sanssouci in der Moschee an der Neustädter Havelbucht
- Holländisches Viertel
- Glienicker Brücke
- Neuer Garten (Parkanlage)
  - Marmorpalais
  - Schloss Cecilienhof
  - Meierei
- Park Babelsberg
  - Schloss Babelsberg
  - Kleines Schloss
  - Dampfmaschinenhaus
  - Matrosenhaus
  - Flatowturm
  - Gerichtslaube
- Kirchen
  - St. Nikolaikirche
  - St. Peter und Paul (Potsdam) - katholische Kirche
  - Französische Kirche
  - Erlöserkirche
  - Heilandskirche am Port von Sacrow
  - (oben bereits erwähnte) Friedenskirche im Park Sanssouci
  - Garnisonkirche (nach dem Zweiten Weltkrieg abgerissen, es existiert eine Initiative zum Wiederaufbau)
- Stadttore:
  - Brandenburger Tor
  - Nauener Tor: Baupläne von Johann Gottfried Büring nach 1754 erstellten Skizzen von König Friedrich II.. Erstes Beispiel für Neugotik auf dem europäischen Kontinent.
  - Jägertor
  - Berliner Tor: nur noch teilweise erhalten
  - Neustädter Tor: nur noch teilweise erhalten
- Villenkolonie Neu Babelsberg
- Einsteinturm
- Freundschaftsinsel (Karl-Foerster-Staudengarten)
- Lustgarten Potsdam
- Volkspark Potsdam (ehemaliges BUGA-Gelände 2001)

Sonstige Sehenswürdigkeiten


- Biosphäre Potsdam
- Botanischer Garten
- Filmpark Babelsberg
- Wildpark
- Stadtkanal :Der Stadtkanal in Potsdam ist ein wegen des hohen Grundwasserstandes innerhalb des Stadtgebietes künstlich angelegter, ausgemauerter und der Entwässerung dienender Arm der Havel. Zwischen dem Ende der 1960er und dem Ende der 1970er war er zurückgebaut, verfüllt und überbaut worden. Die laufende Rekonstruktion ist teilweise umstritten.

Regelmäßige Veranstaltungen


- alljährliche Schlössernacht in den verschiedenen Schlössern der Stadt
- Potsdamer Tanztage
- Theaterfestival UNIDRAM
- Weihnachtsmarkt (Sinterklaas) und Tulpenfest im Holländischen Viertel
- sehsüchte - das internationale Studentenfilmfestival
- Parkfestspiele

Sport

Fußball
- 1. FFC Turbine Potsdam - 1.Frauen-Bundesliga Deutscher Meister 2004
- SV Babelsberg 03 - Oberliga Nord Rugby
- USV Potsdam - 2. Rugby-Bundesliga Football
- Potsdam Royals Sonstiges
- Olympiastützpunkt (in Verbindung mit der Sportschule "Friedrich-Ludwig-Jahn")

Musik

Bands
- Ruffians
- Lex Barker Experience
- Subway to Sally
- 44 Leningrad Jährliche Veranstaltungen
- "Lindenpark" Ska Festival
- Golm Open Air (GOA)
- Golm Drin
- Hochschulsommerfest

Persönlichkeiten

Ehrenbürger

Söhne und Töchter der Stadt

Folgende Persönlichkeiten wurden in Potsdam geboren (Auflistung nach Geburtstag). Ob die Personen später in Potsdam ihren Wirkungskreis hatten oder nicht ist dabei unerheblich.
- 1759, 26. September, Johann David Ludwig Graf Yorck von Wartenburg, † 4. Oktober 1830 in Klein Oels, preußischer Feldmarschall
- 1767, 22. Juni, Wilhelm von Humboldt, † 8. April 1835 in Tegel, deutscher Gelehrter und Staatsmann, Gründer der Berliner Humboldt-Universität
- 1770, 3. August, Friedrich Wilhelm III., † 7. Juni 1840 in Berlin, König von Preußen 1797-1840
- 1785, 11. März, Eleonore Prochaska † 5. Oktober 1813 in Dannenberg, Soldatin, kämpfte während der Befreiungskriege unerkannt als Mann verkleidet zunächst als Trommler, später als Infanterist im preußischen Heer gegen Napoleon
- 1797, 30. März, Heinrich Wilhelm Krausnick, † 14. Dezember 1882 in Berlin, Oberbürgermeister von Berlin
- 1801, 21. September, Moritz Hermann von Jacobi, † 10. März 1874 in Sankt Petersburg, Physiker und Ingenieur
- 1804, 10. Dezember, Carl Gustav Jacob Jacobi, † 18. Februar 1851 in Berlin, Mathematiker
- 1821, 31. August, Hermann (von) Helmholtz, † 8. September 1894 in Charlottenburg, Physiologe und Physiker, einer der bedeutendsten Naturwissenschaftler seiner Zeit
- 1831, 18. Oktober, Friedrich I. beziehungsweise Friedrich III., † 15. Juni 1888 in Potsdam, Kaiser des Deutschen Reichs und König von Preußen 1888
- 1834, 16. Februar, Ernst Haeckel, † 9. August 1919 in Jena, Zoologe, Philosoph
- 1859, 27. Januar, Wilhelm II., † 4. Juni 1941 in Doorn/Niederlande, Kaiser des Deutschen Reichs und König von Preußen 1888-1918
- 1872, 4. November, Max Wilhelm August Heldt, † 27. Dezember 1933 in Dresden, Ministerpräsident von Sachsen 1924-29
- 1882, 23. Januar, Martin Steinke, deutscher Buddhist und Schriftsteller.
- 1883, 7. Juli, Eitel Friedrich von Preußen, † 8. Dezember 1942, Villa Ingenheim in Potsdam, zweiter Sohn König Wilhelm II. von Preußen
- 1892, 22. Januar, Conrad Veidt † 3. April 1943 in Hollywood, Kalifornien, Schauspieler
- 1901, 21. Oktober, Margarete Buber-Neumann, † 6. November 1989 in Frankfurt am Main, Schriftstellerin ("Als Gefangene bei Hitler und Stalin", "Von Potsdam nach Moskau")
- 1902, 24. Juli, Hans Helmuth Chemin-Petit, † 12. April 1981 in Berlin, Komponist und Dirigent
- 1907, 9. November, Louis Ferdinand von Preußen, † 25. September 1994 in Bremen, seit 1933 deutscher und preußischer Thronfolger und seit 1951 bis zu seinem Tod 1994 Chef des Hauses Hohenzollern
- 1909, 9. August, Adam von Trott zu Solz, † 26. August 1944 in Berlin-Plötzensee, Jurist, Diplomat und Widerstandskämpfer
- 1921, Ilse Kleberger, Schriftstellerin von Reiseliteratur, Biografien und Kinder- und Jugendliteratur
- 1922, 31. Mai, Bernhard Hassenstein, Verhaltensbiologe und Mitbegründer der biologischen Kybernetik
- 1925, 9. Februar, Burkhard Heim, † 14. Januar 2001, Sprengstofftechniker, Physiker und Gelehrter
- 1927, Gerhard Wagenitz, Botaniker
- 1928, 29. August, Klaus Bölling, Chef des Presse- u. Informationsamtes der Bundesregierung sowie Regierungssprecher (1974-1980 und 1982), Leiter der Ständigen Vertretung der Bundesrepublik in der DDR (1981-1982)
- 1934, 2. September, Hilla Becher, Fotografin (zusammen mit ihrem Ehemann Bernhard Becher erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen; Hauptarbeiten: Industriebauten, Wassertürme)
- 1942, 14. September, Manfred Butzmann, Grafiker
- 1943, 25. November, Wolff-Ekkehardt Stein, Komponist ("Sun of Jamaica")
- 1944, 18. November, Wolfgang Joop, Modedesigner
- 1946, 29. Oktober, Oliver Bendt alias Jürgen Koch, Schauspieler, Kunstturner, Sänger ("Amarillo", "Mein Lied für Maria")
- 1953, 29. Dezember, Matthias Platzeck, Ministerpräsident des Landes Brandenburg
- 1974, Antje Rávic Strubel, Schriftstellerin

Literatur


- Bernhard R. Kroener (Hrsg.): Potsdam - Staat, Armee, Residenz in der preußisch-deutschen Militärgeschichte, (im Auftrag des Militärgeschichtlichen Forschungsamtes hrsg. von Bernhard R. Kroener unter Mitarbeit von Heiger Ostertag), Propyläen : Frankfurt am Main / Berlin 1993, 637 S., ISBN 3-549-05328-2

Weblinks


- [http://www.info-potsdam.de/ info-potsdam.de] - Ausführliches Informationsportal zur Geschichte, Tourismus und Veranstaltungen
- [http://www.potsdam-abc.de/ potsdam-abc.de] Online Portal
- [http://www.potsdam-sightseeing.de/ Stadtführer rund um Potsdam]
- [http://www.potsdam-portal.net/ Portal des Tourismusverbandes Potsdam-Havelland]
- [http://www.potsdamer-stadtplan.com/ Stadtplan Potsdam] Kategorie:Ort in Brandenburg Kategorie:Deutsche Landeshauptstadt Kategorie:Potsdam ja:ポツダム ko:포츠담 simple:Potsdam

Moschee

] Moschee – von Masǧid مسجد (pl. masaǧid) Ort der Niederwerfung – Ort des gemeinschaftlichen islamischen Gebets, schließt im Deutschen die Freitagsmoschee – Dschāmʿ جامع ein, aber nicht Heiligenschrein (Marabut, Kubba, Maqām), Ordenshaus (Zawiya, Tekke) oder Sakralbauten wie die Felsenkuppel auf dem Haram asch-Scharif in Jerusalem. In Moscheen gibt es weder Bilder von Heiligen oder Propheten, noch religiöse Musik. Anstelle der bildlichen Darstellung, die im Christentum religiöse Grundlagen der Bibel und Heiligenerzählungen beschreibt, tritt hier die arabische Kalligraphie und anstelle der christlichen Kirchengesangs der Vortrag des Koran, immer in arabischer Sprache. Während des Fastenmonats Ramadan wird der Koran komplett rezitiert. Oft ist an Moscheen auch eine Madrasa (arabisch für Schule), die ursprüngliche islamische, stets religiös geprägte Bildungseinrichtung, angeschlossen und bildet mit der Moschee einen Baukomplex. Prächtige Beispiele für diese Art der Architektur finden sich u.a. in Samarkand.

Geschichte

Mit der Ausbreitung des Islam erhielt jede Stadt eine Moschee, später auch die Dörfer. Im von den Türken eroberten Oströmischen Reich wurde in der Regel die christlichen Kirchen abgebrochen oder in Ausnahmefällen zu Moscheen umgewandelt (sh. Sophienkirche in Konstantinopel/Istanbul).

Einrichtung einer Moschee

In einer Moschee findet man oft eine Gebetsnische (mihrāb) – ein Strich, Pfeil oder ein Täfelchen mit dem Wort qibla reicht aber auch aus, um die Richtung zur Kaaba in Mekka, dem Hauptheiligtum des Islam, anzugeben. Waschräume mit fließendem Wasser, auch Brunnen, sind Bestandteile der Moschee, um dort die rituelle Waschung وضوء wudū',vor dem Gebet zu vollziehen. In den Vorräumen oder am Eingang der Moschee werden die Schuhe aufbewahrt – man kann sie aber auch (die Sohlen zueinander gewandt) in die Moschee nehmen. In einer Freitagsmoschee gibt es außerdem eine Kanzel (minbar) für die Freitagspredigt (ḫuṭba), eine dikkah, eine erhöhte Plattform, von der aus der Gebetsruf unmittelbar vor dem Gebet wiederholt wird und außerhalb des Ritualgebets der Koran rezitiert wird. Vor Betreten der Moschee zieht man seine Schuhe aus. Ein Muslim betritt die Moschee mit dem rechten Fuß und verläßt sie mit dem linken. Der Boden ist mit Teppichen belegt. Die Gebetsnische (Mihrab) gibt die Gebetsrichtung (qibla) gegen Mekka an. Das Mihrab ist der Standort des Imam (Vorbeters), der das Gebet leitet. Imam kann jeder Muslim werden, der die dafür vorgeschriebenen Kenntnisse besitzt, die Gebetsformen beherrscht und volljährig ist. Er tritt vor die Betenden, die sich hinter ihm in klaren Reihen (sufuf, sg. saff) aufstellen. Da Frauen von Männern beim Gottesdienst nicht beobacht werden sollen, beten die Frauen hinter den Männern, abgetrennt in eigenen Räumen oder auf einer Empore. Oft besteht der einzige Schmuck in kalligraphisch aufbereiteten Koranversen und ornamentalen Mustern. Darstellungen von Gott, Menschen und Tieren sind verboten, Landschaftsdarstellungen kommen aber vor. Imam Die Moschee ist nicht nur Gebetsraum, sondern auch allgemeiner Treffpunkt der Muslime. Auch zu öffentlichen Anlässen wie Gerichtsverhandlungen oder öffentlichen Verlautbarungen wird sie genutzt. Gruppen können Besprechungen abhalten, Schüler finden sich ein, um ihre Hausaufgaben zu machen. Nicht zuletzt ist die Moschee Herberge für Reisende, die dort Wasser, die Gemeinschaft von Gleichgesinnen und einen Platz zum Schlafen vorfinden. Zu verschiedenen Zeiten und Ländern waren unterschiedliche Gebäudetypen vorherrschend. Die älteste Form ist die Hofmoschee mit umlaufenden Arkaden (Kairouan, Ibn Tulun-Moschee, Kairo, die Moschee des 'Amr b. al-'Âs in Altkairo vor ihrer Renovierung). Ähnlich alt sind die Säulenwälder, die auf die Palmen der Urmoschee zurückgehen sollen (Cordobas La Mezquita http://12koerbe.de/bienengold/cordoba.htm#Blick%20durch%20die%20S%E4ulenreihen,al-Hakim http://www.islamicarchitecture.org/architecture/alhakimmosque.html, Koutoubia). Unter den Osmanen waren – der Sophienkirche nachempfundene – Zentralbauten mit vielen Kuppeln und zwei oder vier spitzen Minaretten beliebt. Moscheeanlagen mit großem offenen Innenhof sind für Iran und Indien typisch. Phantastische Lehmbauten finden sich in der Sahelzone, pagodenartige Moscheen in Indonesien.

Moscheen in Deutschland

Im Jahr 1732 ließ der Preußenkönig Friedrich Wilhelm I. in Potsdam am Langen Stall einen Gebetssaal für zwanzig seiner türkischen Gardesoldaten errichten; dies gilt als die erste Moschee auf deutschem Boden. Die älteste heute erhaltene Moschee in Deutschland wurde 1924 in Berlin von der Ahmadiyya (Anjuman Isha'at-e-Islam Lahore's AAIIL) errichtet. Weitere Moscheebauten:
- 1957 in Hamburg Fazl-e-Umar-Moschee, gebaut von Ahmadiyya Muslim Jamaat (AMJ)
- 1959 in Frankfurt am Main Nūr-Moschee, gebaut von Ahmadiyya Muslim Jamaat
- 1961 in Hamburg Imam-Alī-Moschee, gebaut von iranischen Kaufleuten (Schiiten)
- 1964 in Aachen Bilāl Moschee, unterhalten vom Islamischen Zentrum Aachen (IZA)
- 1973 in München (Grundsteinlegung 6. Oktober 1967), unterhalten vom Islamischen Zentrum München (IZM)
- 1990 in Werl, gebaut und gepflegt durch den Islamischen Kulturverein Werl e.V.
- 1995 in Mannheim Yavuz-Sultan-Selim-Moschee, die größte Moschee Deutschlands, gebaut vom Islamischen Bund Mannheim e.V. Luisenring 28 68159 Mannheim

Siehe auch


- Qibla
- Mihrab
- Minarett
- Adhan/Iqama
- Liste islamischer Begriffe auf Arabisch

Weblinks


- [http://www.islam-greifswald.de Islamisches Kulturzentrum Greifswald e.V.]
- [http://www.moschee-mannheim.de Yavuz-Sultan-Selim Moschee Mannheim e.V.]
- [http://www.institut-mannheim.de Institut für deutsch-türkische Integrationsstudien und interreligiöse Arbeit Mannheim e.V.]
- gut bebilderte engl.-sprachige Darstellung der Gebäude [http://www.islamicarchitecture.org]
- Bilder von über Hundert Moscheen aus aller Welt [http://www.travel-images.com/mosques.html]
- [http://www.fatih-moschee.de Fatih-Moschee - Verein zur Erhaltung des islamischen Gebetsraumes e.V. Bremen] ! ja:モスク ms:Masjid simple:Mosque th:มัสยิด

Georg Friedrich Händel

Georg Friedrich Händel (
- 23. Februar 1685 in Halle (Saale); † 14. April 1759 in London) war erster Komponist von Weltrang und bedeutendster Opernkomponist des Barock. Zu seinem Hauptwerk zählen rund 40 Opern und 25 Oratorien, darunter der Messias (engl. Messiah). Händel hat in allen musikalischen Gattungen seiner Zeit Kompositionen hinterlassen. Messias

Leben

Herkunft und Jugend

Messias Händels Vater Georg (1622-1697) war Barbier und Wundarzt und hielt eine Stelle als Hofchirurg beim Herzog von Sachsen-Weißenfels, so dass die Familie Kontakt mit dem ca. 30 km entfernt residierenden Hof hatte. Als Georg Händels erste Frau 1682 starb, heiratete er kurze Zeit später die 32jährige Dorothea Taust (1651-1730), Tochter eines Pfarrers. Das erste Kind aus dieser zweiten Ehe starb 1684 bei der Geburt, nach Georg Friedrich folgten noch zwei Schwestern Dorothea Sophia (1697-1718) und Johanna Christina (1690-1709), mit denen und mit deren Kindern Händel zeitlebens Kontakt hielt. 1709 Die einzige Quelle für Händels Jugend ist John Mainwarings 1760 veröffentlichte Biographie, die auf Mitteilungen von Händels langjährigem Assistenten John Christopher Smith jun. basiert. Danach nahm sein Vater den jungen Händel, noch bevor dieser acht Jahre alt war, mit zu Besuch zu einem Sohn aus erster Ehe, der Kammerdiener in Weißenfels war. Nachdem er lange genug gebettelt hatte, durfte der Junge mit auf die Reise. So machte er Bekanntschaft mit den Hofmusikern und spielte auf der Orgel, als es der Herzog mitbekommen musste. Dieser erkannte sofort sein Talent und sprach ernsthaft mit dem Vater, der seinen Argumenten nachgab, obwohl er sich selbst nicht für Musik interessierte. Nach der Rückkehr nach Halle wurde Händel ein Schüler von Friedrich Wilhelm Zachow (oder Zachau), dem Organisten der Liebfrauenkirche. Von ihm bekam er Unterricht in Komposition, auf Tasteninstrumenten sowie Oboe und Violine. Sein Lehrer ließ ihn auch eine enorme Menge an Vokalmusik schreiben, und er musste jede Woche eine Motette komponieren. Gemäß Mainwaring wurde Händel mit zwölf an den Hof in Berlin geschickt, wo er großen Eindruck hinterlassen habe. Der brandenburgische Kurfürst (später König Friedrich I. von Preußen) habe angeboten, den Jungen nach Italien zu schicken und anschließend am Hof in Berlin anzustellen. Verschiedene Fakten in dieser Geschichte sind jedoch nachweislich falsch, so dass dieser Besuch in Berlin möglicherweise einige Jahre später stattgefunden hat, nachdem Händels Vater 1697 gestorben war. Händel führte jedenfalls seine Schul- und musikalische Ausbildung bis zum Ende fort und besuchte ab 1702 die neugegründete Universität in Halle, um Rechtswissenschaft zu studieren. Im gleichen Jahr übernahm er jedoch den Organistenposten am Dom.

Hamburg

Nach seiner Probezeit von einem Jahr begab er sich nach Hamburg. Dort blühte unter ihrem Gründer Reinhard Keiser die einzige deutsche Oper, die diesen Namen verdiente. Händel musizierte erst als zweiter Violinist, später als Cembalist im Opernensemble und befreundete sich mit dem Komponisten, Dirigenten und Sänger Johann Mattheson, der später einflussreiche musiktheoretische Schriften wie Das Neu-Eröffnete Orchestre und Grundlage einer Ehrenpforte schrieb. Als in Lübeck der Posten des berühmten Organisten Dietrich Buxtehude vakant wurde, weil dieser in hohem Alter schließlich in den Ruhestand ging, reisten sie zusammen dorthin. Aber weder Händel noch Mattheson bewarben sich um die Stelle, weil der erfolgreiche Kandidat die ältliche Tochter des Organisten hätte heiraten müssen. Ein anderes Abenteuer hätte noch ernstere Konsequenzen haben können. Bei einer Aufführung von Matthesons Oper Cleopatra in Hamburg weigerte sich Händel, dem Komponisten den Dirigentenstuhl zu überlassen, als dieser nach dem Singen des Antonius von der Bühne zu seinem üblichen Platz am Cembalo zurückkam. Der Streit führte zu einem Duell außerhalb des Theaters. Aber die beiden blieben Freunde, und Matthesons Schriften sind voll wertvoller Informationen über Händels Biographie. Für den Karfreitag 1704 schrieb Händel eine Passionsvertonung nach Johannes nach einem Text des Opernlibrettisten Christian Postel, die von Mattheson scharf kritisiert wurde und heutzutage weitgehend unbeachtet bleibt. Am 8. Januar 1705 wurde Händels erste Oper Almira mit großem Erfolg in Hamburg aufgeführt, wenige Wochen später eine weitere mit dem Titel Nero, die ein Flop wurde. Während Nero verloren ist, bietet Almira mit ihrer Mischung aus italienischer und deutscher Sprache und Form ein gutes Beispiel für den in Hamburg üblichen Stil und für Händels eklektizistische Methoden. Viele der Themen aus der Oper erscheinen in seinen späteren und besser bekannten Werken. In Hamburg komponierte Händel noch eine weitere Oper, die aber so umfangreich wurde, dass sie in zwei Werke, Daphne und Florindo, aufgeteilt werden musste, die erst nach Händels Abreise im Januar 1708 auf die Bühne kamen. Die Musik beider Werke ist verschollen. Nachdem Händel schon mehrmals Angebote von adligen Mäzenen für eine Italienreise abgelehnt hatte, darunter wahrscheinlich von Gian Gastone de Medici, reiste er im Sommer oder Herbst 1706 auf eigene Rechnung nach Italien.

Italien

Händel blieb drei Jahre in Italien, die sich auf Florenz, Rom, Neapel und Venedig aufteilen. Die genauen Daten für seine Aufenthalte in den verschiedenen Städten sind nicht bekannt. Viele Anekdoten sind aus dieser Zeit überliefert, von Treffen mit Arcangelo Corelli und Antonio Lotti sowie Alessandro und Domenico Scarlatti. Händel wurde als Il Sassone (der Sachse) berühmt. Als Domenico ihn einmal incognito spielen hörte, soll er ausgerufen haben: "Das ist entweder der berühmte Sachse oder der Teufel!" Dann gibt es eine Geschichte von Corelli, der sich über eine Passage in Händels Ouvertüre zu Il Trionfo beklagte, in der die Violinen bis zum hohen A gehen. Händel soll ihm das Instrument ungeduldig aus der Hand gerissen und gezeigt haben, wie die Passage zu spielen sei. Corelli, der nie in seinem Leben in der dritten Lage gespielt hatte (die Passage war in der siebten), habe geantwortet: "Diese Musik, mein lieber Sachse, ist im französischen Geschmacke, und darauf versteh ich mich nicht". In Italien führte Händel zwei Opern auf, Rodrigo (Sommer 1707) in Florenz und Agrippina (Ende 1709/Anfang 1710) in Venedig. Letztere gilt allgemein als der eigentliche Durchbruch in seinem Opernstil. Die Ouvertüre verwendete er 44 Jahre später als Quelle für sein letztes neues Oratorium Jephtha. Für Rom, wo Opernaufführungen durch den Papst verboten waren, schuf er zwei Oratorien, das geistliche La Resurrezione (Frühjahr 1708) und das allegorische Il Trionfo del Tempo e del Disinganno (Frühjahr 1707). Dieses arbeitete er 46 Jahre später mit einigen Ergänzungen zu seinem letzten Werk The Triumph of Time and Truth um. Neben diesen größeren Werken gibt es die Serenata Aci, Galatea e Polifemo (Neapel 1708) und zahlreiche Chor- und Solokantaten, von denen die früheste das berühmte Dixit Dominus ist. In ihrem gesanglichen Schwierigkeitsgrad zeigen sie, wie grundlegend die italienischen Erfahrungen Händels Stil beeinflussten. In Italien begründete Händel seinen Ruhm. 1709 wurde ihm in Venedig der Posten des Kapellmeisters des Kurfürsten Georg Ludwig von Hannover angeboten. Er nahm die Stelle an, ließ sich aber zusichern, für längere Zeiträume vom Hof abwesend sein zu dürfen. Diese Option nutzte er schon bald aus: offiziell begann sein Vertrag 16. Juni 1710, aber schon gegen Ende des Jahres reiste er nach London. Er kam als Komponist italienischer Oper und erntete seinen ersten Erfolg mit der Uraufführung des Rinaldo am Haymarket am 24. Februar 1711. Zur Bestürzung des Librettisten hatte er die Oper innerhalb von nur vierzehn Tagen komponiert. Nach dem Ende der Opernsaison kehrte er Anfang Juni 1712 nach Hannover zurück und schrieb eine Reihe von Vokalduetten für Prinzessin Caroline, die Schwiegertochter des Kurfürsten und spätere englische Königin.

Erste Jahre in London

Prinzessin Caroline Im Oktober 1712 kehrte Händel nach London zurück, wo er – abgesehen von Reisen – den Rest seines Lebens verbrachte. Er wohnte zunächst ein Jahr bei einem reichen Musikliebhaber in Barn Elms, Surrey. Drei weitere Jahre lebte er beim Earl of Burlington in der Nähe von London. Die Hauptwerke dieser Periode sind zwei italienische Opern und das Utrechter Te Deum im Auftrag von Queen Anne, nach dessen Aufführung sie ihm eine lebenslange Pension von £ 200 gewährte. Obwohl Händel seine Abwesenheit vom Hof in Hannover weit überdehnte, ist kein Versuch des Kurfürsten Georg dokumentiert, ihn an seine Verpflichtung zu erinnern. Im September 1714 kam der Kurfürst als König George I. von England nach London. Für ihn schrieb Händel die Wassermusik, die bei einem Fest auf der Themse wahrscheinlich erstmals 1717 aufgeführt wurde. Der König verdoppelte Händels Gehalt, und später wurde Händel Musiklehrer der Prinzessinnen und bekam weitere £ 200 von Prinzessin Caroline. 1716 folgte er dem König nach Deutschland, wo er eine zweite deutschsprachige Passion nach der beliebten Dichtung von Barthold Heinrich Brockes schrieb. Dies war Händels letztes Werk auf einen deutschen Text. Nach seiner Rückkehr nach England trat er in die Dienste des Earl of Carnavon (später Duke of Chandos) und leitete dessen Konzerte. Händels Musik, die er für die Herzogsresidenz Cannons in Edgware schrieb, umfasst die ersten Fassungen von Esther und Acis and Galatea sowie die zwölf Chandos Anthems. Für das Cembalo schrieb er die 1720 veröffentlichten Suites de Pièces pour le Clavecin, die u.a. den bekannten Variationenzyklus enthalten, der später den Namen The Harmonious Blacksmith erhielt.

Blüte der Oper

Händels Aufenthalt in Cannons endete etwa im Frühjahr 1719, als die Vorbereitungen für ein neues Opernunternehmen am King's Theatre begannen, die Royal Academy of Music mit Händel als musikalischem Direktor. Da zu dieser Zeit die Spekulation um die South Sea Company blühte, wurde das Unternehmen als Aktiengesellschaft mit einem Grundkapital von £ 10.000 gegründet. Für die Anwerbung einer Sängertruppe reiste Händel auf den Kontinent und konnte in Dresden mehrere Sänger abwerben (darunter den Starkastraten Senesino), von denen die meisten aber erst zur Saison 1720/21 zur Verfügung standen. Händels erste und sehr erfolgreiche Oper für die Opernakademie, Radamisto wurde erstmals am 27. April 1720 aufgeführt. Neben Händel beschäftigte die Akademie zeitweise auch Giovanni Bononcini (ab November 1720) und Attilio Ariosti (ab Februar 1723). Das Publikum spaltete sich in Parteien, die hinter Händel bzw. Bononcini standen, genauso wie es Parteien hinter den rivalisierenden Sängern gab. Insbesondere in der Anfangszeit waren Bononcinis Aufführungen erfolgreicher als Händels. Händels Dominanz wurde erst etwa ab der dritten Saison spürbar, und in den folgenden Jahren schrieb er einige seiner bedeutendsten und heute populärsten Opern, wie Giulio Cesare, Tamerlano und Rodelinda. Nach heutigen Kenntnissen war die Opernakademie von Anfang an unterfinanziert und nur in den besten Zeiten wirtschaftlich tragfähig. Das Management versuchte dadurch zum Erfolg zu kommen, dass es noch mehr Starsänger einstellte. Ab Januar 1723 wurde Francesca Cuzzoni, ab Mai 1726 Faustina Bordoni engagiert. Durch die hohen Gehälter (Cuzzoni bekam £2500 pro Saison) wurde das Unternehmen allerdings noch mehr belastet. Dazu kam, dass der Publikumsgeschmack zunehmend den leichteren englischsprachigen Musikdarbietungen zuneigte, wofür der rauschende Erfolg der Beggar's Opera von 1728 symptomatisch ist. Nach der Saison 1727/28 wurde die Opernakademie aufgelöst. Persönlich nahm Händel an dem Scheitern der Akademie jedoch keinen Schaden.

Niedergang der Oper

1728 Am 13. Februar 1726 war Händel englischer Staatsbürger geworden. Nach der Auflösung der Opernakademie startete er zusammen mit dem ehemaligen Direktor J. J. Heidegger ein neues Unternehmen, das in der Literatur auch als zweite Opernakademie bezeichnet wird. Sie übernahmen den Fundus der Akademie, mieteten das King's Theatre für fünf Jahre, und Händel reiste im Herbst 1728 nach Italien, um neue Sänger anzuwerben. Das neue Ensemble war durchweg bescheidener angelegt, mit Antonio Bernacchi als neuem Star. Auf der Rückreise besuchte Händel im Sommer 1729 seine Mutter in Halle und machte in Hannover und Hamburg halt. Das neue Opernunternehmen eröffnete am 2. Dezember mit Lotario, hatte aber nur moderaten Erfolg, so dass für die nächste Saison wieder Senesino als Zugnummer engagiert wurde. Eher zufällig wurde Händels Interesse auf das Oratorium gelenkt. 1732 wurden seine beiden englischsprachigen Masques Esther und Acis and Galatea aus der Cannons-Zeit unautorisiert gespielt. Händel antwortete jeweils schnell darauf, indem er eigene neue Fassungen erstellte und mit Erfolg aufführte. Die nächste Saison 1732/33 bestritt er weitgehend mit Oratoriumsaufführungen, darunter das weitgehend aus alten Material bestehende Deborah. Im Sommer reiste er mit seinem Ensemble für mehrere Aufführungen nach Oxford. Laut einem Pressebericht sollte ihm dort die Ehrendoktorwürde verliehen werden, die er aber aus unbekannten Gründen ablehnte. In Oxford wurde Athalia uraufgeführt, in dem erstmals seine typischen Doppelchöre auftauchen und das als erstes Reifewerk seines Oratorienschaffens gilt. Der Erfolg veranlasste Händel jedoch keineswegs, die niedergehende italienische Oper aufzugeben. Im Dezember 1733 wurde eine rivalisierende Operngesellschaft, die Opera of the Nobility, in Lincoln's Inn Fields eröffnet, mit Nicola Porpora als Komponisten. Zuvor hatte sie fast sein gesamtes Sängerensemble einschließlich Senesino abgeworben. Da es in London keinen Markt für zwei konkurrierende Opern gab, kam es zu einem ruinösen Wettbewerb. Die Situation verschärfte sich noch dadurch, dass in der nächsten Saison der Mietvertrag auslief und Heidegger das King's Theatre an die Adelsoper vermietete. Dazu gelang es der Adelsoper noch, den berühmten Farinelli unter Vertrag zu nehmen. Händel zog nun in das neu erbaute Covent Garden Theatre um und führte das Unternehmen auf eigene Faust. Trotz dem Dahinsiechen des Unternehmens komponierte er in dieser Zeit Werke wie Ariodante und Alcina, die zusammen mit Orlando zu den bedeutendsten nach dem Zusammenbruch der ersten Akademie zählen. 1737 kam es zu einem Bankrott, und Händel erlitt einen Schlaganfall mit Lähmungserscheinungen, der als Folge von Überarbeitung angesehen wird. Auch die Adelsoper musste jedoch aufgelöst werden, so dass man Händels Scheitern nicht seinem Abstieg innerhalb der Musikwelt zuschreiben kann. Bei einem Kuraufenthalt in Aachen erholte er sich schnell wieder und komponierte mit der alten Produktivität.

Zeit der Oratorien

Aachen Wenngleich Händel bis zu seiner letzten Oper Deidamia 1741 noch zahlreiche Versuche unternahm, die Oper fortzuführen, trat doch allmählich das Oratorium in den Vordergrund, mit Saul und Israel in Egypt von 1739 und Wiederaufnahmen seiner früheren Werke, darunter auch Alexander's Feast von 1736. Als Zwischenaktmusik spielte er Concerti grossi, darunter die zwölf Konzerte op. 6, die er innerhalb weniger Wochen schrieb. Der Messiah wurde erstmals am 13. April 1742 in Dublin aufgeführt. Nach diesem Zeitpunkt komponierte Händel keine Opern mehr, stattdessen gab es von 1743 bis 1752 eine durchgängige Reihe von ein oder zwei neuen Oratorien pro Saison, die meisten davon auf Themen aus dem Alten Testament, daneben die weltlichen Hercules und Semele, die gelegentlich zu den bedeutendsten englischen Opern gezählt werden, obwohl Händel selbst sie nicht szenisch aufführte. Eine zeitlang musste Händel immer noch mit einer Feindschaft in bestimmten Adelskreisen kämpfen. Anders als zu Zeiten der Adelsoper hatte er zwar als Oratorienschreiber keine Konkurrenz, aber seine Gegner konnten an den Abenden seiner Aufführungen Bälle und Bankette geben, um ihm zu schaden. Breitere Bevölkerungsschichten erreichte er mit seinen "Siegesoratorien" nach dem Jakobitenaufstand von 1745, von denen Judas Maccabaeus das zu seinen Lebzeiten populärste Oratorium wurde. 1751 begannen Probleme mit seinem Augenlicht. Das Autograph von Jephtha, seinem eigentlich letzten neuen Werk, zeigt ergreifende Spuren seines Leidens in seiner Handschrift. Seine Blindheit unterbrach ihn, während er den Chor How dark, oh Lord, are thy decrees schrieb. Das Autograph gibt so auch Einblick in Händels Kompositionsmethode. So fügte er offenbar die Begleitungen, Rezitative und die unwichtigeren Teile des Werks lange nach dem Rest ein. Er unterzog sich erfolglosen Operationen, eine davon durch den gleichen Chirurgen, der Bachs Augen operiert hatte. Es gibt Hinweise, dass er während seiner letzten Jahre zeitweise sehen konnte, aber nach Mai 1752 gewann er sein Augenlicht praktisch nicht mehr zurück. Er beaufsichtigte weiterhin Aufführungen seiner Werke und spielte zwischen den Akten seine Orgelkonzerte, die er teilweise improvisierte. Weiterhin schrieb er neue Arien oder überarbeitete ältere. Das Oratorium The Triumph of Time and Truth benutzt zu einem wesentlichen Teil Material aus dem früheren italienischen Il Trionfo del tempo. Händel besuchte noch eine Woche vor seinem Tod eine Aufführung des Messiah. Er wurde in Westminster Abbey beigesetzt.

Musik

Opern

Händels 42 Opern folgen dem Typus des Dramma per musica, der aus einer Folge von Secco-Rezitativen und Da-capo-Arien besteht. Im Laufe der Zeit entwickelte er die Oper weiter, ohne mit der etablierten Form zu brechen. So setzt er Accompagno-Rezitative (etwa im Orlando) ein, um besonders intensive Gefühlzustände einer Figur darzustellen. Gelegentlich bricht er Arien nach dem B-Teil ab und fügt Rezitative ein, bevor das Dacapo einsetzt. Neben Soloarien gibt es Duette, seltener Terzette, und ein einziges Quartett. Chöre schrieb Händel anfangs nur für die Finals, wo sie von den Protagonisten gesungen werden, erst ab 1735 scheint er über einen eigenständigen Chor verfügt zu haben. Im gleichen Jahr schrieb er für die in Covent Garden gespielten Opern Alcina und Ariodante Ballettnummern, weil ihm dort eine Ballettgruppe zur Verfügung stand. Die Ouvertüren folgen dem von Lully geprägten französischen Typus. Die Libretti sind oftmals aus venezianischen Vorlagen abgeleitet, entgegen der allgemeinen Popularität von Metastasio-Texten benutzte Händel nur dreimal Libretti dieses Dichters.

Kirchenmusik

Händels Kirchenmusik teilt sich auf in einige Psalmvertonungen in lateinischer Sprache, die er in Italien schrieb, und die englischsprachigen Stücke. Zu den lateinischen Werken zählen die Vesperpsalmen Dixit Dominus, Laudate pueri und Nisi Dominus. Die in der frühen Londoner Zeit entstandenen Chandos Anthems sind entsprechend dem kleinen zur Verfügung stehenden Ensemble von eher intimem Charakter. Die anderen kirchenmusikalischen Werke der Londoner Zeit entstanden meist für die Chapel Royal für besondere, teils staatspolitische Anlässe. Das Utrechter Te Deum und Jubilate zur Feier des Friedens von Utrecht ist vom Einfluss Purcells geprägt. Von den vier Coronation Anthems (1727) wird Zadok the Priest seither bei jeder britischen Krönungszeremonie gespielt, zuletzt 1952. Für das Begräbnis der ihm nahestehenden Königin Caroline schrieb Händel The ways of Zion do mourn (1737), das viele für seine anrührendste Trauermusik halten. Die Musik verwendete er vollständig für das Oratorium Israel in Egypt.

Orchestermusik

Entsprechend den Gepflogenheiten der Zeit ist der Großteil von Händels Orchesterwerken für Opern- und Oratorienaufführungen entstanden, d.h. als Ouvertüren und Zwischenaktmusiken. Zu den separat herausgegebenen Konzerten gehörten die 6 sog. Oboenkonzerte op. 3, die 1734 veröffentlicht, aber wesentlich früher zu verschiedenen Gelegenheiten geschrieben wurden, sowie die 12 Concerti grossi op.6 von 1739. Diese entsprechen der von Corelli benutzten Form. Die Satzabfolge ist die der Kirchensonate, aber Händel geht vor allem in der Wechselwirkung zwischen Concertino und Tutti eigene Wege. Händels Orgelkonzerte sind seine eigene Erfindung und stehen zusammen mit Bachs Cembalokonzerten am Anfang der Entwicklung des Konzerts für Tasteninstrument. Händel spielte den Solopart auf dem Orgelpositiv des Theaters, in der veröffentlichten Fassung wurde auch das Cembalo als mögliches Soloinstrument angegeben. Gegenüber den 6 Konzerten op. 4 (veröffentlicht 1738) zeichnen sich die beiden aus der "Second Series" (veröffentlicht 1740, das erste mit dem Beinamen "The Cuckoo and the Nightingale") und die 6 posthum veröffentlichten Konzerte op.7 dadurch aus, dass viele Stellen und ganze Sätze als "ad libitum" gekennzeichnet wurden, die Händel also während der Aufführungen improvisierte. Wahrscheinlich wurden in op. 7 verschiedene Konzerte und Sätze aus seinem letztem Jahrzehnt vom Verleger zusammengestellt. In den Jahren 1747-1748 schrieb Händel drei Concerti a due cori, in denen das Orchester in zwei Bläserchöre (Oboen, Fagott, Hörner) und das Streichensemble aufgeteilt ist. Das musikalische Material für diese Konzerte stammt im wesentlichen aus Chorsätzen, z.B. aus dem Messiah. Als Freiluftmusik konzipiert sind die Wassermusik für Bootsfahrten auf der Themse, die nach heutiger Kenntnis in mehreren Schüben in den 1710er und 1720er Jahren entstanden ist, und die Feuerwerksmusik von 1748. Beide sind breit angelegte Suiten, in denen sich lebhafte Tanzsätze, Airs und konzertante Sätze abwechseln.

Kammermusik

Sechs Triosonaten op. 2 wurden 1733 publiziert, datieren in der Komposition aber über einen weiten Zeitraum, der möglicherweise bis 1703 zurückreicht. Sie entsprechen durchgängig der viersätzigen Kirchensonatenform. Weitere 7 Triosonaten op. 5 wurden 1739 veröffentlicht. Sie haben fünf bis sechs Sätze, darunter Tanzsätze wie Sarabande und Gavotte, so dass sie der Suitenform nahekommen. Von der gleichen Form sind 10 Solosonaten op. 1, die zwischen 1712 und 1726 komponiert und 1732 veröffentlicht wurden. Händels Werke für Cembalo entstanden größtenteils im Rahmen seiner Lehrtätigkeit oder als Gelegenheitswerke. Als die wichtigsten gelten die acht 1720 veröffentlichten Suites de Pièces pour le Clavecin (HWV 426-433), daneben ein zweite Sammlung von Suiten (HWV 434-438, 1730) und 6 Fugen (HWv 605-610, 1735). Allen gemeinsam ist, dass sie lange Zeit vorher komponiert wurden, teilweise vielleicht schon in Hamburg. Zur Kammermusik zählten zu Händels Zeit sowohl Vokal- als auch Instrumentalstücke. Zahlreich sind seine weltliche Kantaten: über 60 Continuo-Kantaten (d.h. für Solostimme und Basso continuo), die aus einer Abfolge von Arien und Rezitativen bestehen, bei denen er sich an Alessandro Scarlatti orientierte. Dazu kommen mehr als 10 Kantaten "con strumenti", also mit selbständigen Instrumentalstimmen. Die meisten der weltlichen Kantaten werden der Zeit in Rom zugeschrieben, als Händel an der Accademia degli Arcadi mit Scarlatti, Corelli und Pasquini zusammentraf. Auf 1724 datieren Neun deutsche Arien für Solostimme, Melodieinstrument und Basso continuo. Von seinen 21 Duetten mit Basso continuo schrieb Händel anscheinend zwei 1722, die übrigen zu etwa einem Drittel in Italien, Hannover und in den 1740er Jahren in London. In ihrer Struktur sind sie völlig anders als die Solokantaten, es gibt keine Rezitative und Da-capo-Arien, das kontrapunktische Gewebe der Stimmen steht im Vordergrund. Ein Vorbild dafür ist Agostino Steffani.

Arbeitsstil

Agostino Steffani Händel berichtet zwar in seinen überlieferten Briefen wenig von seiner Kompositionsarbeit, aber seine Arbeitsweise lässt sich in etwa an seinen späteren Autographen nachvollziehen. Er begann die Niederschrift einer Partitur mit einer Datierung, arbeitete dann die Grundgedanken wie Melodien und Begleitungen aus und schloss wiederum mit einer Datierung ab. Dann erst schrieb er Rezitative, Mittelstimmen und andere weniger wichtige Partien nieder. Den Abschluss bildete stets die Formel SDG ("Soli Deo Gloria", Allein Gott die Ehre). Es sind nur wenige Skizzen überliefert, in denen zumeist kürzere Melodien und Themen festgehalten sind; offenbar dienten sie nicht der Ausarbeitung von Kompositionen. Insgesamt war sein Arbeitstempo recht hoch. Für den Messias benötigte er rund drei Wochen. Das ist etwa die Zeit, die ein sehr geschickter Kopist brauchte, um die Partitur abzuschreiben. Wie zu seiner Zeit üblich, übernahm Händel Arien aus älteren Werken in neuere, teilweise mit dem gleichen Text – soweit er passte – oder mit Anpassungen an den neuen Zusammenhang. Insbesondere passierte dies, wenn das ältere Werk als ganzes nicht mehr gebraucht wurde. So hatte er etwa in England keine Verwendung mehr für die deutschsprachige Brockes-Passion, und die Trauerode hatte nach dem Anlass, für den sie komponiert wurde, keine Hoffnung auf eine erneute Aufführung. Für Händel charakteristisch ist, dass er nicht davor zurückscheute, neben eigener Musik auch Kompositionen anderer Musiker zu verwenden, darunter Gottlieb Muffats Componimenti Musicali für die Cäcilienode, Habermanns Messen für Jephtha und Werke von Telemann, Mattheson und Keiser. Das Finden von Händels Inspirationsquellen ist noch heute Teil der Händelforschung. Die Entleihungen gehen von Motiven über Fugenthemen bis hin zu ganzen Sätzen. Als moralisches Problem wurden diese Entleihungen insbesondere im England des 19. Jahrhunderts gesehen, als das original schaffende Genie das Kunstideal darstellte. Zu Händels Zeiten galten offenbar andere Maßstäbe. Zwar konnte sein Zeitgenosse Bononcini in Ungnade fallen, als er ein komplettes Madrigal Antonio Lottis als sein eigenes ausgab. Der Wert eines Themas oder Motivs lag jedoch nicht in der Erfindung an sich, sondern in der Ausarbeitung des Themas, in der Einbettung in einen Zusammenhang und im Ausdruck eines gewünschten Affekts. Händel arbeitete das bestehende Material immer so um, dass es sich nahtlos in seine Werke einfügt und man es von selbst erfundenen Ideen nicht unterscheiden kann.

Nachwelt

Schon zu Lebzeiten genoss Händel den Rang eines Klassikers. 1738 war ihm zu Ehren in Vauxhall Gardens ein Denkmal errichtet worden, und Mainwarings 1760 erschienene Memoirs of the Life of the Late George Frederic Handel (von Mattheson ins Deutsche übersetzt) gelten als erste Musikerbiographie überhaupt. Im Gegensatz zu anderen Komponisten des Barock geriet Händel auch nach seinem Tod nicht in Vergessenheit, wenn sich seine dauerhafte Präsenz im Musikleben auch allein auf seine Oratorien gründet. Neben regelmäßigen Aufführungen von Oratorienauszügen wurden mehrere aus Händels Musik zusammengestellte Pasticci gespielt, an denen Thomas Morell als Librettist beteiligt war. Zur Feier von Händels hunderstem Geburtstag wurde 1784 (man hatte sich um ein Jahr vertan) mit über 500 Musikern eine dreitägige Gedächtnisfeier in Westminster Abbey und im Pantheon gehalten, mit Aufführungen des Messiah, Stücken aus den Oratorien und Orchestermusik. Wegen des Erfolgs wurde die Messiah-Aufführung noch zweimal wiederholt. Die Gedächtnisfeier begründete eine Tradition, die bis 1791 fortgeführt wurde. Die Begeisterung schwappte auch auf den Kontinent über. 1772 wurde der Messiah erstmals von Michael Arne in Hamburg dirigiert, drei Jahre später von C.P.E. Bach. Johann Adam Hiller war der erste, der für Berlin 1786 das Werk völlig neuinstrumentierte und änderte. Für die Konzerte des Barons van Swieten ergänzte Mozart zwischen 1788 und 1790 die Instrumentierung vierer oratorischer Werke Händels, um sie dem Zeitgeschmack anzupassen. Als Haydn während seines London-Aufenthalts die Musik Händels hörte, traf es ihn so, "als sei er an den Beginn seiner Studien zurückversetzt worden und habe bis dahin nichts gewusst." (nach Giovanni Carpani). Er brachte ein Libretto nach Wien mit, das möglicherweise für Händel erstellt worden war, und komponierte danach Die Schöpfung, ein Oratorium, das in seiner Struktur und seinen Chorfugen deutlich den Einfluss Händels zeigt. Gleichermaßen ließ sich Beethoven von Händel inspirieren. Auf See the conqu'ring hero comes schrieb er Variationen für Cello und Klavier (1796). Die Ouvertüre Die Weihe des Hauses mit ihrer großen Mittelfuge ist bewusst nach Händels Stil modelliert. In den 1770er Jahren kam der Messiah in die USA und wurde bald danach insbesondere für Benefizkonzerte verwendet. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts etablierte sich dort die Tradition, ihn in der Vorweihnachtszeit aufzuführen. Ab 1842 machte Vincent Novello in England eine enge Auswahl an Oratorien in einem preiswerten Klavierauszug zugänglich. War die bis dahin einzige Gesamtausgabe von Samuel Arnold unhandlich, so konnten die Noten (deren Preis den leerer Notenblätter nicht überstieg) sich nun auch in den Chorvereinigungen in den Provinzen ausbreiten. In monumentalem Maßstab wurden in London (nach einer Probe 1857) von 1859 bis 1926 im dreijährigen Abstand im Crystal Palace Händelfestspiele gehalten. Auf ihrem Höhepunkt wurden 4000 Chorsänger und 500 Orchestermusiker eingesetzt. In dieser Form entwickelte sich die Veranstaltung geradezu zu einer Demonstration des englischen Nationalstolzes. Es war Deutschland vorbehalten, Händels völlig vergessene Opern wiederzuleben. Ab 1920 brachte der Kunsthistoriker Oskar Hagen mehrere davon in Göttingen auf die Bühne. Seine deutschen Fassungen verbreiteten sich schnell an den Theatern ganzen Land. Gleichzeitig richtete sich der Blick in diesen Jahren auf die dramatischeren Oratorien wie Hercules und Susanna, die mit großen Chormassen nicht angemessen dargeboten werden konnten. Seit den 1970ern haben in historisch informierter Aufführungspraxis musizierende Ensembles dafür gesorgt, dass Händel-Aufführungen sich mehr an den ursprünglichen Ensemblegrößen orientieren und Werke nicht willkürlich gekürzt werden. Ebenso versucht man neue Antworten auf Probleme wie die Kastratenstimmen in den Opern zu finden, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts noch durch Transposition auf normale Männerlagen gelöst wurden. In Deutschland wird Händel heute neben Konzerten und Theateraufführungen bei drei Festspielen gepflegt: die Händel-Festspiele Göttingen, die aus Hagens Opernaufführungen der 1920er entstanden, die 1952 in Händels Geburtsstadt gegründeten Händel-Festspiele Halle, und die Karlsruher Händel-Festspiele, die seit 1985 in enger Zusammenarbeit mit dem Badischen Staatstheater stattfinden.

Ausgaben

Händel stellt jeden Herausgeber vor besondere Schwierigkeiten. Seine Änderungen, Ergänzungen und Anpassungen an veränderte Aufführungsbedingungen führen dazu, dass es für fast jedes Werk eine Vielzahl von möglichen Varianten gibt, zwischen denen gewählt werden muss. Für die Kammermusik gibt es das Problem, dass mehrere Veröffentlichungen nicht von Händel autorisiert waren und teilweise vom Verleger selbst zusammengestellt und um unechte Werke ergänzt wurden. Die erste systematische Ausgabe von Händels Werken erfolgte zwischen 1787 und 1797 durch Samuel Arnold in London, wurde aber wegen abspringender und verstorbener Subskribenten vorzeitig abgebrochen, so dass fast alle Opern und ein Großteil der vokalen Kammermusik fehlen. Eine von der English Handel Society zwischen 1843 und 1858 betriebene Ausgabe auf der Basis von Autographen brach nach kaum mehr als zwölf größeren Chorwerken ab. Als Pionierleistung muss die Gesamtausgabe in 94 Bänden gelten, die Friedrich Chrysander – anfangs unter dem Dach der von ihm mitgegründeten Deutschen Händel-Gesellschaft in Leipzig – ab 1858 herausgab. Dazu kamen 6 Ergänzungsbände mit Kompositionen anderer Komponisten, deren Material Händel verwendete. Nur ein Band der Gesamtausgabe und 2 Ergänzungsbände wurden 1902 von Max Seiffert hinzugefügt, ein weiterer erschien nicht. Chrysander griff dafür auf Händels Dirigierpartituren und teilweise auf Autographen zurück. 1955 begann die Georg-Friedrich-Händel-Gesellschaft in Halle mit einer Ausgabe für den praktischen Gebrauch, die die Chrysander-Ausgabe ergänzen sollte. Man stellte bald fest, dass diese den modernen musikwissenschaftlichen Ansprüchen nicht mehr genügte, da Varianten und Begründungen der Editionsentscheidungen fehlten, so dass man 1958 beschloss, eine neue Gesamtausgabe mit kritischem Bericht zu erarbeiten, die Hallische Händel-Ausgabe (HHA). Die Arbeit soll bis 2023 abgeschlossen sein. Im Rahmen der HHA erschien 1978 im Händel-Handbuch das von Bernd Baselt erarbeitete Händel-Werke-Verzeichnis (HWV).

Werkliste

Opern

Oratorien

Oden und Masques (Auswahl)

Instrumentalmusik


- 6 Orgelkonzerte op. 4 (HWV 289 – 294)
- 6 Orgelkonzerte op. 7 (HWV 306 – 311)
- 6 Concerti grossi op. 3 (HWV 312 – 317)
- Concerto grosso C-Dur "Alexander's Feast" (HWV 318)
- 12 Concerti grosso op. 6 (HWV 319 – 330)
- 3 Concerti a due cori (HWV 332 – 334)
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